social learning

Faksimile: Eine inklusive Schule für alleZur inhaltlichen Konzeption der IUS ist Anfang des Jahres das Rahmenkonzept als Buch erschienen: „Eine inklusive Schule für alle. Das Modell der Inklusiven Universitätsschule Köln“, erschienen beim » Beltz Verlag und herausgegeben von Kersten Reich, Dieter Asselhoven und Silke Kargl.

Auf über 400 Seiten werden die zehn Leitlinien der IUS vorgestellt und in Einzelbeiträgen vertieft. Inklusion bedeutet mehr als das gemeinsam Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung. Inklusion meint auch die Sicht auf soziale Verhältnisse, Herkunft und Geschlechtszugehörigkeit. Inklusion, so die These des Buchs, gestaltet Leben und Arbeiten in der Stadtgesellschaft demokratischer.

An der Veröffentlichung sind insgesamt 46 Autorinnen und Autoren beteiligt. Darunter sind Wissenschaftler/innen, Lehrer/innen, Schüler/innen, Studierende und Eltern, die im Arbeitskreis Schulgründung seit ca. vier Jahren auf den Schulstart hinarbeiten. Mit dem Abschnitt: „Lernen und Lehren mit Multimedia und Sozialen Netzen“ (siehe df-edv.de) als Teil der Leitlinie 5: Qualitätsvolle Schule konnte ich selber auch einen kleinen Betrag zum Rahmenkonzept beisteuern:

Leitlinie 5: Qualitätsvolle Schule

5.4 Lernen und Lehren mit Multimedia und Sozialen Netzen

Im Rahmenkonzept zur Gründung einer inklusiven Praxisschule heißt es beim Thema Kompetenzorientierung: „In dieser Situation heißt die Hauptaufgabe für die neue Schule nicht mehr Antworten auswendig lernen, sondern die richtigen Fragen stellen können, nicht mehr Problemlösungen lernen, sondern Probleme lösen lernen. Und damit die Schüler/innen dazu in der Lage sind, müssen sie vor allem anderen die Basisfähigkeiten zur Verständigung in unserer modernen Zeit erwerben. Sie müssen Texte wirklich selbst verstehen (und nicht nur wiedergeben) können: Sachtexte, politische Pamphlete, suggestive Werbung, literarische Fiktionen, mathematische Formeln, naturwissenschaftliche Modelle, Diagrammlegenden usw. Sie müssen diese Texte nicht nur in ihrem Sinn verstehen, sondern müssen sie deuten, kritisch hinterfragen, vergleichen können. Und sie müssen das, was sie selbst erkannt haben, eigenständig und verständlich in Wort und Schrift [und in Bild und Ton] anderen vermitteln und zur Diskussion stellen können […]“

Zu den Basisfähigkeiten zur Verständigung in unserer modernen Zeit gehören Computer und Internet in all ihren Facetten an Geräten, Anwendungen und Diensten. Der kritische Umgang mit Office-Anwendungen, Multimedia und Social Media sollte aber nicht nur allein Teil der zu vermittelnden Basiskompetenz für den späteren Berufsalltag sein. Gerade auch in Hinblick auf verschiedene Anforderungen eines umfassenden Inklusionsbegriff kann mithilfe der Informationstechnik allgemein und dem Internet und deren sogenannten Sozialen Netzen im Besonderen den sich permanent ändernden Anforderungen des Lernen und Lehrens aktiv begegnet werden. Damit dies nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist, darf nicht der Fehler der „Sprachlabore“ wiederholt und Multimedia auf EDV-Räume und Informatikunterricht reduziert werden.

Die Nutzung der Informationstechnik und des Internets mit seinen vielfältigen Anwendungsgebieten muss genauso selbstverständlicher Bestandteil des Schulalltags werden, wie es vielleicht heute Collegeblock und Schreibtafeln sind. Sie darf dabei aber nicht darauf reduziert werden, dass mit einer größeren Verbreitung von Tablet-PC die Schultaschen leichter und Arbeitsblätter und Tafelbilder digitalisiert vorgehalten werden. Erst in der interdisziplinären Projektarbeit – das heißt bei der Vernetzung von und Austausch zwischen den „klassischen Fachbereichen“ – entwickelt Informationstechnik ihr Potential. Darüber hinaus öffnet das Internet auch die Grenzen und Barrieren des Schulgebäudes und bietet Partizipationsmöglichkeiten unabhängig von Raum und Zeit.

Multimedia, Soziale Netze und Inklusion

Chancen für die Inklusion eröffnen sich, wenn die neuen Medien für ein individualisiertes Lernen und eine intensivere Binnendifferenzierung genutzt werden. Ein barrierefreies Intranet mit Wiki und Schulblog kann allen Menschen die Möglichkeit einer Teilhabe nicht nur in Form von Informationsbeschaffung und Recherche einräumen, sondern insbesondere auch die aktiven Nutzung u.a. durch die Beteiligung an Diskussion und Erstellung von eigenen Beiträgen.

Die Einbeziehung von Podcasts sowie Screenreadern und Zoomwerkzeugen unterstützen sehbehinderte und blinde Schüler/innen. Eine angepasste Formatierung hilft bei Legasthenie; Beiträge in „Leichter Sprache“ vermitteln Inhalte an kognitiv unterstützungsbedürftige Kinder [und unterstützen „fremd-muttersprachliche“  Kinder]. Leistungsstarke Schüler/innen können sich projekt- und/oder fachbezogen mit höheren Jahrgangsstufen vernetzen und zusätzlich gefördert werden.

Chronisch wie anderen kranken Kindern kann über ein Remotezugang zum Intranet, sowie über Chat-, Telefonie- und Videosystemen eine Mitarbeit vom „Krankenbett“ aus ermöglicht werden.

Anforderungen an die zukünftigen Lehrkräfte

Lernen und Lehren mit Multimedia und Sozialen Netzen erfordert auch ein Umdenken bei Lehrkräften. Schon in den Begrifflichkeiten spiegeln sich interdisziplinäres Arbeiten, Teamwork und Projektarbeit. Auch erfordert die rasante Geschwindigkeit von Veränderungen der heutigen Lebensrealitäten eine permanente Fortbildungs-  und Weiterbildungsnotwendigkeit für die Lehrenden.

Bedingung für einen inklusiven Einsatz von Informationstechnik und Internet ist der barrierefreie Zugang. Voraussetzung hierfür ist einerseits die technischen Ausstattung innerhalb der Schule (und der Fähigkeit, auch mit spezieller Hard- und Software umgehen zu können). Anderseits bedeutet es aber für die Lehrkräfte auch einen ständigen Einsatz bei der Entwicklung und Erstellung von barrierefreien Dokumente und Arbeitsmaterialien.

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