PAC 3.0: Prüfung von PDF Dokumenten auf Barrierefreiheit. Jetzt auch in deutscher Sprache.

Bildschirmfoto des PDF Accessibility Checkers PAC 3.0Zur Prüfung von PDF-Dokumenten auf Barrierefreiheit ist das kostenfreie Tool „PDF Accessibility Checker“ (PAC) der Stiftung Zugang für alle seit vielen Jahren ein unverzichtbares Helferlein.

Seit der Version 2.0 wird mit PAC der ISO-Standard PDF/UA (PDF Universal Accessibility) angewendet und die maschinell prüfbaren Fehlerbedingungen des sogenannten Matterhorn-Protokolls getestet. Das Matterhorn-Protokoll besteht aus 31 Prüfpunkten mit insgesamt 136 Fehlerbedingungen, welche die in PDF/UA-1 definierten Anforderungen an das Dateiformat präzisieren. 87 dieser Fehlerbedingungen können durch ein Programm geprüft werden. 47 Fehlerbedingungen erfordern die interaktive Bewertung durch einen menschlichen Prüfer und werden somit auch nicht von PAC berücksichtigt.

Neben dem PDF/UA-Standard gibt es auch noch die internationale Richtlinie für barrierefreie Web-Angebote Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) oder die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, BITV 2.0). Zwar gibt es sehr weitreichende Überschneidungen, aber weder die WCAG noch die BITV werden von PAC unterstützt und erfordern somit auch weitere Prüfungen.

PAC 3.0

Seit Dezember 2017 steht die Version 3.0 des Accessibility Checkers für Windows-PC zum kostenfreien Download zur Verfügung. Auffälligste Neuerung von PAC 3 ist die deutsche Sprache (englische Sprache ebenso verfügbar). Besonders bei auftretenden Fehlern ist dies sicherlich eine große Hilfe für alle, die nicht in der englischen Sprache zu Hause sind.

Die Oberfläche von PAC wurde überarbeitet und ist nun auch barrierefrei bedienbar und wurde zudem um ein paar Basisinformationen wie Titel, Dateiname, Sprache, Anzahl der Tags, Seiten, Größe sowie einem kleinen Vorschaubildchen des geprüften Dokuments ergänzt.

Die eigentliche Prüfung hat sich nicht grundsätzlich verändert, aber gegenüber der Vorgängerversion wurden ein paar Fehler korrigiert und fehlende Prüfpunkte aus dem PDF/UA-Standard ergänzt.  In der Vorversion wurde die alleinige Verwendung des <TBody> Tag (ohne ein <THead>) fälschlicherweise als Fehler angezeigt. Dies ist nun zu einer Warnung heruntergestuft worden.

In der Vorversion wurden irreguläre Tabellen (falsche Angaben von ColSpan oder RowSpan) nicht zuverlässig erkannt, was bei PAC 3 nun besser funktioniert. Zusätzlich liefert PAC 3 nun auch die Fehlermeldung „Kopfzelle ohne zugewiesene Unterzellen“, wenn das Scope-Attribut fehlt welches die Zuordnung einer Überschrift zu den Spalten oder Zeilen definiert. Dies muss zwar nicht unbedingt ein Problem für die Zugänglichkeit von Tabellen darstellen, wird aber nach PDF/UA grundsätzlich für alle Überschriftenzellen einer Tabelle gefordert. Das hat nun zur Folge, dass Dokumente die mit PAC 2 die technische Prüfung noch ohne Fehler bewältigt haben, jetzt mit entsprechenden Fehlermeldungen als „nicht barrierefrei“ durchfallen.

Bildschirmfoto des Detail-Bericht von PAC mit Warn- und Fehlermeldungen zu Tabellen

Es gibt auch noch ein paar „Ungereimtheiten“ bei den Prüfergebnissen von PAC. Die Meldung über die Anzahl der Fehler zeigt immer eine doppelt so hohe Zahl an wie tatsächlich Fehler vorhanden sind. Ebenso kann es vorkommen, dass die Meldung „…ist nicht PDF/UA-konform“ erscheint, ohne dass ein einziger Fehler angezeigt wird. Auch die Meldung, dass alles in Ordnung sei, ist bei fehlerhaften Dokumenten schon mal vorgekommen.

Bildschirmfoto PAC 3.0 mit Fehler- und Warnmeldungen. Bildschirmfoto von PAC mit einer Prüfung ohne Fehler und trotzdem der Meldung, dass das Dokument nicht dem PDF/UA-Standard entspricht.

Diese „Ungereimtheiten“ machen auch deutlich, dass eine zusätzliche Prüfung und Kenntnisse über die Eigenschaften barrierefreier Dokumente natürlich trotzdem noch notwendig bleiben.

Neu: Prüfbericht als PDF

Eine Neuerung bei PAC 3 ist ein als PDF exportierbarer Prüfbericht. Hilfreich ist der Prüfbericht sicherlich nach einer Bearbeitung und einem Null-Fehler-Dokument als „Beleg“ für die technische Barrierefreiheit. Wünschen würde ich mir auch noch einen zusätzlichen Prüfbericht mit einer Auflistung aus dem Detail-Bericht – hiermit könnte dann gut die Ausgangslage vor einer Überarbeitung dokumentiert werden.

Als kleinen Schönheitsfehler könnte bewertet werden, dass der Prüfbericht selber nicht vollständig barrierefrei ist, da für das kleine Vorschaubildchen ein Alternativtext fehlt, dem Dokument dann aber trotzdem die PDF/UA-Konformität bescheinigt wird.

Prüfbericht von PAC 3 Fehlermeldung bei der Überprüfung des Prüfberichts

Neu: Register Artefakte

Neu ist auch das Register „Artefakte“ im Dialogfeld „Logische Struktur“. Theoretisch wäre es denkbar, nahezu alle Inhalte eines umfangreichen Dokumentes als Hintergrundelemente (Artefakt) auszuzeichnen und trotzdem ein technisches Null-Fehler-Dokument zu erhalten. Um dieses aufdecken zu können ist es durchaus hilfreich bei einer Prüfung eben auch ein Blick auf die als Hintergrund ausgezeichneten Elemente werfen zu können.

Bildschirmfoto des Register Artefakte in PAC 3.0

Wenn es auch noch ein paar Verbesserungspunkte gibt, so ist PAC 3.0 dennoch ein Schritt nach vorne. Mit den schon in der Vorversion enthaltene Ansichten Screenreader-Vorschau und der Logischen Struktur mit den Eigenschaften der Tag-Elemente (und jetzt auch noch der Artefakte) ist und bleibt der PDF Accessibility Checker ein unverzichtbares Werkzeug bei der Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente.

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