PDF 2.0 & »Next-generation PDF«

PDF Days Europe, Mai 2017 in Berlin

Titel der Programmbroschüre

Die diesjährigen PDF Days standen unter dem Motto: „The future of PDF begins Here – PDF 2.0 and next-generation PDF“. Neben den klassischen Themen rund um die verschiedenen PDF-Standards wie PDF/A (Archivierung) oder PDF/X (Druckvorstufe), sind vor allem der in Kürze erscheinende neue PDF-Standard ISO 32000-2:2017 (PDF 2.0) und barrierefreie PDF (PDF/UA) im Fokus.

PDF 2.0

Die Keynote von Peter Wyatt (ISO 32000 Project Leader) und der Vortrag von Duff Johnson (‎Executive Director PDF Association, ISO 32000 Project Leader) erläuterten ausführlich die neuen Features des PDF 2.0 ISO-Standard, der noch im Mai 2017 veröffentlicht werden soll.

Die wichtigsten Stichworte für PDF 2.0 sind: Verbesserte Verschlüsselung und eine moderne digitale Signaturtechnologie, bessere Möglichkeiten das Dokument in einzelne Teile, bzw. Abschnitte zu gliedern, Unterstützung von Geodaten, Verwendung von Rich Media Annotation (Sprach- und Videokommentare) und einiges mehr.

Im Zusammenhang mit barrierefreien, Tagged PDF sind vor allem die Änderungen der Strukturelemente wichtig. Gegenüber dem bisherigen PDF Standard (PDF 1.7, ISO 32000-1) werden 13 Strukturelemente entfallen, 8 neue Elemente sind hinzugekommen. Die Beschreibung, Attribute und Funktionalität der bestehenden Tags wurde überarbeitet. Weiterhin wird PDF 2.0 das aus HTML bekannte Modell von Namensräumen (namespaces) aufgreifen und kann damit zukünftig MathML oder anderen Nicht-PDF-Struktur-Elemente in das PDF aufnehmen.

Bei den Standard-Tags werden in PDF 2.0 nicht mehr enthalten sein:

  • Sect, Art, BlockQuote, TOC & TOCI, Index, NonStruct, Private, Quote, Note, Reference, BibEntry, Code

Neue Tags in PDF 2.0:

  • DocumentFragment, Aside, Hn (where n > 6), Title, FENote, Sub, Em, Strong, Artifact

Aber keine Angst, alte Dokumente müssen nicht überarbeitet werden, da die Abwärtskompatibilität weiterhin gewährleistet sein wird. Eine Kernaussage in diesem Zusammenhang war demnach auch: „PDF 2.0 is an evolution, not a revolution“.

Screenshot VortragsfolieFür barrierefreie Tagged PDF-Dokumente heißt das zusammengefasst: Tagged PDF ist viel sauberer (weniger Tags), viel klarer (bessere Beschreibungen von Tags, klare Angabe, wo sie (nicht) verwendet werden können) und flexibler / offener (Restriktionen nur bei Bedarf).

 

Next-generation PDF

Das Thema aber, was wohl von den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Spannung erwartet wurde, war die Vorstellung von „Next-generation PDF“. Seit einigen Monaten hat eine Technical Working Group (TWG) der PDF Association an der neuen PDF-Technologie gearbeitet und erste Ergebnisse, Konzepte und Prototypen in Berlin der interessierten (Fach-) Öffentlichkeit vorgestellt.  In der Keynote von Matt Kuznicki (PDF Association) und Leonard Rosenthol (Adobe) und in weiteren Sessions über die beiden Konferenztage ging es um die Zukunft von responsiven und barrierefreien PDF.

Eingangsfolie Next Generation PDF

Basis für die neue PDF-Technologie ist PDF 2.0 und Tagged PDF (PDF/UA). Für das Next-generation PDF werden diese Standards noch um HTML und CSS-Funktionalitäten „erweitert“ (mapping). Es entstehen Dokumente, die sich besser an die Präsentationsumgebung anpassen (Reflow and content resize ability for different screen types and sizes), eine bessere Zugänglichkeit für assistive Technologien bieten (…text-to-speech for accessibility) und sich automatisch den Ausgabegeräten anpassen (Default presentation adaptation to rendering device type. Selection of different default presentations based on location, on who you are).

Hauptadressat ist der Konsum auf Mobil Devices, aber es entstehen auch weitere spannende Anwendungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Einbettung von Daten, um Diagramme dynamisch anpassen zu können oder eine Device-optimierte, dynamische Navigation.

Barrierefreie Diagramme – häufig ein Problem

Ein konkretes Anwendungsbeispiel. Autorinnen und Autoren stehen häufig vor dem Problem, sich einen sinnvollen Alternativtext für Diagramme zu überlegen. Werden in dem Diagramm „nur nochmal“ die im Text schon vorhandenen Daten zusätzlich visualisiert, fällt das noch einigermaßen leicht. Wenn es aber um sehr komplexe Zusammenhänge und umfangreichere Datenmengen handelt – die zudem im umgebenen Text nicht weiter ausgeführt werden – besteht heute das Dilemma, eigentlich einen kleinen Roman als Alternativtext schreiben zu müssen. Mit Next-generation PDF kann die zugrundeliegende Datentabelle eingebettet und verknüpft werden. Assistive Technologien können dann anstelle eines Alternativtextes die Datentabelle aufrufen und darin navigieren.

Das Next-generation PDF

Es handelt sich bei Next-generation PDF nicht um ein neues Dateiformat, sondern es geht aufbauend auf der logischen/semantischen Struktur eines Tagged PDF und PDF 2.0 darum, ein standardisiertes Ableitungsmodell („Derivation“) für die Darstellung von PDF-Inhalten als HTML zu erhalten. In einem (zukünftigen, „ngPDF“-unterstützenden) Webbrowser oder einem entsprechenden „ngPDF-Viewer“ präsentiert sich das PDF wie eine HTML-Datei. Durch die Möglichkeit das „Styling“ der HTML-Ausgabe mit Hilfe individueller CSS-Dateien und JavaScript zu beeinflussen, können Schriften, Farben, Kontraste etc. angepasst und interaktive Funktionalitäten hinzugefügt werden. Dabei wird Next-generation PDF natürlich auch die Anforderungen für barrierefreie Webseiten nach WCAG 2.0 unterstützen.

Vortrags Markus ErleIn einer Session von Markus Erle (axes4) wurden an einem kleinen Beispiel gezeigt, wie aus einem Word-Dokument über das Add-In „axesPDF for Word“ ein PDF erzeugt wird, dass dann wiederum in einem Prototyp-Viewer als „Next-generation PDF“ gezeigt wurde. Der Next-generation PDF-Viewer ist hierbei so was wie ein Mix aus PDF- und HTML-Viewer.

 

In dem Word-Dokument ist ein Excel Linien-Diagramm eingebunden, dessen Alternativtext dem oben schon beschriebenen Roman gleichen müsste. Im Next-generation-PDF stehen dann sowohl alternative Darstellungsformen als auch ein separates Register mit der Datenbasis des Diagramms zur Verfügung.

Demodatei Next Generation PDF

In einer HTML-Demodatei bekommt man/frau eine Vorstellung davon, wie das ursprüngliche PDF-Dokument dann als Next-generation PDF ausschauen könnte. Hier die Tabellendarstellung der Daten des Diagramms

Next-generation PDF ist noch nicht fertig, es gibt noch keinen „fertigen“ Viewer und auch noch keinen Standard, der genau beschreibt, was Next-generation PDF einmal werden wird. Auf den PDF Days in Berlin wurden aber schon Beta-Anwendungen vorgeführt, die sehr spannende Entwicklungen erwarten lassen.

 

 

 

Mehr Infos auf http://www.pdfa.org

 


Präsentationsfolie Duff Johnson Präsentationsfolie Duff Johnson Präsentationsfolie Duff Johnson Präsentationsfolie Duff Johnson

Die Vorträge auf den PDF Days wurden aufgezeichnet und werden ebenso wie die Vortragsfolien auf der Website der PDF Association veröffentlicht.

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