Bericht von den PDF Days Europe 2015

In diesem kleinen – sicherlich unvollständigem und sehr subjektiven – Artikel von den PDF Days Europe am 08. und 09 Juni 2015 in Köln möchte ich über ein paar Neuerungen rund um Acrobat und PDF, PDF/UA berichten.

Mobile First und Formulare

In einer der Auftakt-Tracks berichtet Frank Esser von Adobe Systems von den aktuellen und zukünftig angedachten Lösungen von Adobe/Acrobat für mobile Geräte. Im Kern ging es bei den gezeigten Workflows um Online-Services, die unter dem Label „Mobile Link“ zusammenfließen sollen.

Die Erstellung, Bearbeitung und Speicherung von PDF-Dokumenten kann über den „Mobile Link“ Service auf verschiedenen Plattformen über den Cloud-Dienst synchronisiert werden. Es geht aber nicht nur darum, auf seine PDF-Dokumente auf dem PC oder Mac, dem Tablet und Smartphone über eine „Adobe-DropBox“ zuzugreifen. Mit der kostenlosen App „Adobe Fill & Sign DC“ (oder entsprechender Funktion in Acrobat) lassen sich Papierformulare mit dem Tablet abfotografieren, in ein PDF umwandeln und mit Formular- und Signaturfeldern bestücken. Mit der ebenfalls kostenlosen App „Adobe eSign Manager“ lassen sich (einfache, nicht-qualifizierte) Signaturen verwalten und nicht nur in Acrobat, sondern auch direkt im Webbrowser einsetzen. Wird ein PDF ohne Formularfelder im Webbrowser gezeigt, kann es von dort gespeichert und im anschließend im Acrobat Reader DC (ja, der Viewer heißt jetzt wieder Acrobat Reader) mit der Fill & Sign Funktion bearbeitet und gespeichert (!) werden.

Speichern von Formularen (inklusive der Daten) war mit dem Reader bisher nur möglich, wenn die „Verwendungsrechte für den Reader“ – beispielsweise mit Acrobat Professional – freigeschaltet wurden. Die Nutzung dieser Funktion wurde bisher lizenzrechtlich auf 500 Personen, bzw. 500 Rückläufer dieses Formulars beschränkt und war somit für offene Internetangebote quasi nicht zulässig. Mit Adobe Document Cloud hat sich dies nun geändert, allein schon dadurch, dass der Acrobat Reader DC „von sich aus“ speichern kann. Aber nun können auch die mit Acrobat erstellten Formulare ohne lizenzrechtliche Beschränkung mit den erweiterten Verwendungsrechten versehen werden [1].

Screenshots von Acrobat-Reader, Acrobat und Browser-Ansicht

Adobe Acrobat XI, Acrobat Reader DC und Adobe Document Cloud mit Mobile Link verbunden und parallel geöffnet.

 

In einem anderen Veranstaltungs-Track wurde die Frage aufgeworfen, ob PDF überhaupt – und nicht etwas HTML 5 – das richtige Format für Mobile Devices ist. Insbesondere dynamische Formulare wie die mit dem LiveCycle-Designer erstellten XFA- (XML Forms Architectur) PDF-Formulare funktionieren bisher nicht auf Tablets und Smartphones. Alle Experten waren sich in der Einschätzung einig, dass dies auch zukünftig so bleiben wird und nur die „einfacheren“ in Acrobat erstellten (AcroForms-) PDF-Formulare unterstützt werden. Hinzu kommt, dass der (voraussichtlich 2016) kommende PDF 2.0 Standard XFA nicht mehr unterstützen wird (XFA forms have been deprecated from ISO 32000-2).

Eine Veränderung in Bezug auf die XFA-PDF-Formulare hatte sich schon bei Acrobat XI angedeutet, das in der Professional-Version keinen LifeCycle-Designer (LCD) mehr enthält. Die aktuellste Version des LiveCycle-Designer ES4 muss inzwischen (für knapp 300,–/Upgrade 130,–) separat lizensiert werden und grundsätzlich soll der LCD nicht mehr als eigenständiges Produkt weiterentwickelt werden. Ebenso wird der in Acrobat XI enthaltene Desktop- und Online-Dienst „Adobe FormsCentral“ im Juni 2015 eingestellt und soll auch bei kommenden Updates von Acrobat XI automatisch deinstalliert werden. Als „Ersatz“ bietet Adobe im Rahmen der „Adobe Marketing Cloud“ den „Adobe Experience Manager“ an. Mit Hilfe dieses Content-Management-Systems können Websites, Apps und auch Formulare (AEM Forms) erstellt werden.

PDF 2.0 und PDF/UA-2

Zu den kommenden neuen Standards PDF (ISO-32000-2) und damit einhergehend der Weiterentwicklung von PDF/UA (Universal Accessibility, ISO 14289-1 ) gab es keine offiziellen Veranstaltungen, aber hin- und wieder Randnotizen, was sich mit der zu erwartenden Verabschiedung im kommenden Jahr verändern wird. Beispielsweise wird MathML Einzug in das PDF-Format erhalten. Um die damit notwendig werdende Unterstützung von komplexeren Strukturen – wie beispielsweise mathematischen Formeln – zu ermöglichen, bedarf es auch Erweiterungen bei den „Tags“, sowie der Rollen- und „namespace“-Zuordnungen.

PDF/UA-Werkzeugkasten  – Matterhorn

Zur besseren Unterstützung bei der Erstellung von barrierefreien PDF-Dokumenten gibt es zwei Ankündigungen rund um das Matterhorn-Protokoll (www.pdfa.org/matterhorn-protokoll). Mit diesem Dokument gibt es einen verbindlichen Prüfkatalog für PDF/UA. Im Matterhorn-Protokoll sind 136 Prüfpunkte aufgeführt, von denen ein Großteil (89 Punkte) maschinell geprüft werden kann (beispielsweite mit PAC 2.0). Bei 45 Bedingungen allerdings ist eine manuelle „Autoren“-Prüfung notwendig.

Bisher liegt das Matterhorn-Protokoll nur in englischer Sprache vor. Nun ist eine Übersetzung in Bearbeitung und wird in Kürze zur Verfügung stehen. Für Viele wird diese Übersetzung schon eine Hilfe bei der Prüfung von PDF-Dokumenten darstellen, allerdings bleibt das Matterhorn-Protokoll nach wie vor ein ehr technisches und „trockenes“ Papier.

Vor diesem Hintergrund wird in dem Projekt „BIT inklusiv ein Dokument zur „Zugänglichkeits-Validierung für Jedermann“ entwickelt. Orientiert am Matterhorn-Protokoll und auf Basis von (kostenfrei) verfügbaren Prüf- und Reader-Tools (PAC 2.0; VIP-Reader), werden konkrete Verfahrensanweisungen und Erläuterungen einen umfassenden Prüfprozess beschreiben, der eben auch die nicht-automatisierbaren Prüfpunkte von PDF/UA berücksichtigen wird. Detlef Girke vom Projekt BIT inklusiv hat auf den PDF-Days das Konzept und einen vorläufigen Entwurf des Prüfdokumentes vorgestellt. Nach einer Abstimmung mit der PDF-Association soll dies veröffentlicht werden.

PDF/UA Werkzeugkasten – axes4

Die Entwickler von PAC und Tools wie der QuickFix Toolbox, oder das in einem früheren Rundbrief schon besprochenem axesPDF for Word haben auf den PDF Days Europe die im August als finale Version erscheinende Version von axesPDF for Word vorgestellt. Nach einer längeren Entwicklungs- und Beta-Phase ist hier nun ein Tool gelungen, was aus Microsoft Office Word 2013 auf „Knopfdruck“ technisch barrierefreie PDF-Dokument nach dem PDF/UA-Standard erstellen kann.

Es sind noch nicht alle Einzelheiten definitiv bekannt, aber auf den PDF-Days wurde als Lizenzmodell ein Jahresabo für knapp unterhalb 200,00 € pro Einzellizenz angekündigt  (günstiger Paketpreise in verschiedenen Staffelungen). Auch das zur Zeit rund 800,00 € teure QuickFix wird in einer (Ende des Jahres?) kommenden Version 2.0 als Abo-Modell erhältlich sein.

PDF-Werkzeugkasten – PAC

Der kostenfrei erhältliche PDF Accessibility Checker (PAC 2) von der schweizerischen Stiftung „Zugang für alle“ ist ein Tool, das auf dem Matterhorn-Protokoll basiert und PC-Anwendern die Prüfung von PDF-Dateien auf PDF/UA-Konformität erlaubt. Bisher ist PAC 2.0 nur in englischer Sprache, und auch nur für den PC verfügbar. Auf den PDF-Days wurde nun eine deutschsprachige Version von PAC angekündigt. Dank externer finanziellen Unterstützung  kann demnächst mit einer übersetzten Version dieses überaus hilfreichen und kostenfreien Tools gerechnet werden. Leider wird der „PDF Accessibility Checker“ auch weiterhin nur für den PC und nicht für den Mac verfügbar sein. Eine Portierung auf iOS ist wohl auch nicht in absehbarer Zeit zu erwarten.

PDF-Werkzeugkasten – Callas Software

Von Callas Software aus Berlin stammt das kostenloses Adobe Acrobat Plug-in pdfGoHTML zur Umwandlung von getaggten PDF-Dateien in HTML. Mit einem Klick wandelt pdfGoHTML getaggte PDFs in HTML um und öffnet dieses automatisch im Standard-Browser. So kann das HTML-Ergebnis in unterschiedlichen Ansichten betrachten und beispielsweise die Tag-Struktur kontrolliert werden.

Von Callas stammt auch der pdfaPilot. Dieses Programm konvertiert PDFs oder native Dokumente sowie E-Mails in durchsuchbare PDF oder PDF/A-Dateien für die Langzeitarchivierung. Darüber hinaus bietet der pdfaPilot auch einen Export nach PDF/UA, wobei eine Reihe von Fehler oder Unzulänglichkeiten der Standard-Konvertierung von Adobe Acrobat behoben werden. Die Tag-Struktur kann zudem auch dazu verwendet werden, um automatisch EPUB-Dateien aus PDFs zu erstellen. Diese PDF-zu-EPUB-Funktion transformiert PDF-Dateien in E-Book-Dateien, die unmittelbar auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets verwendbar sind.

PDF-Werkzeugkasten – Acrobat DC

Wer Acrobat für die Druckvorstufe verwendet, kennt das Preflight-Werkzeug für die professionelle Prüfung und Korrektur verschiedener PDF-Standards. Entwickelt wird dieses Tool ebenfalls von Callas Software und auf den PDF-Days wurde angekündigt, dass in der Abo-Version von Acrobat DC zukünftig das Preflight-Werkzeug auch den PDF/UA-Standard prüfen wird. Dies könnte dann ein Grund für ein Update auf das Acrobat DC Abo sein.

Ansonsten bietet Acrobat DC in Bezug auf barrierefreie PDF die VoiceOver-Unterstützung für Mac OS X und einen speziellen Kontrastmodus mit dynamischer Anpassung des Hintergrund für eine bessere Lesbarkeit von Dokumenten. Darüber hinaus konnte ich allerdings bisher keine wirklich entscheidende Vorteile gegenüber Acrobat XI Professional in Bezug auf barrierefreie Dokumente und deren Bearbeitung entdecken.

Wer mehr über die Neuerungen von Adobe Acrobat DC erfahren möchte, kann sich bei den Schweizer Kollegen und Partnern von com2publish informieren:

com2publish

Im aktuellen Newsletter 03-2015 werden über zehn kurze Videos die Neuheiten von Adobe Acrobat DC vorgestellt. Da geht es von der Benutzeroberfläche und Werkzeugleiste, über Document Cloud und Mobile Link bis zur Callas pdfToolbox, Enfocus PitStop und Farbmanagement. Die meisten Artikel sind nur mit dem kostenpflichtigen Premium-Account erreichbar. Wer einen kostenfreien Probemonat bekommen möchte, schreibt mir einfach eine E-Mail und ich schicke dann unverbindlich ein „Freiabo“ zu.

In anderen Artikel des aktuellen Newsletter geht es um InDesign, Illustrator & Co… und von mir gibt es einen Beitrag zu Microsoft Office Sway und den ersten Teil zum Thema Absatzformate in Microsoft Word.


 

[1] Alle Angaben ohne Gewähr. Da sich die Lizenzbedingungen natürlich auch mal ändern können und ich zudem auch nicht von Adobe lizensiert oder autorisiert bin verbindliche Aussagen zu treffen, sind diese Angaben mit Vorbehalt zu sehen.

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